Natur erleben im europäischen Schutzgebiet "Großes Torfmoor"

Vögel im Hochmoor

Vor allem seltene bodenbrütende Vögel - rund 80 Arten, davon fast 40 vom Aussterben bedroht - finden hier im Hochmoor weit und breit ein letztes Habitat (Wohnstätte).

Beobachten Sie mit etwas Glück den Großen Brachvogel, eine Bekassine, Kiebitze oder Kraniche.

 Großer Brachvogel

Der Schnepfenvogel wird oft als Meistersinger des Moores bezeichnet, weil seine Stimme im Flug ein weit hörbarer melodisch flötender Ruf ist. Der störungsempfindliche Vogel braucht zwar nur ein Brutgebiet von 7 – 38 Hektar (ha), da er jedoch immer mit mehreren Paaren zusammenlebt und mit der Uferschnepfe im gleichen Lebensraum konkurriert, benötigt der Große Brachvogel zum Fortbestand eine Fläche von 300 – 500 ha.

 Bekassine

Im wellenförmigen Flug erzeugt die Bekassine mit den Schwanzfedern ein meckerndes Geräusch, daher nennt man sie auch „Himmelsziege“. Anders als beim Großen Brachvogel können bei ihnen auf einer Fläche von 10 ha unter optimalen Bedingungen 1 – 3 Brutpaare vorkommen.

 Kiebitz (C) Helmut Lammertz www.naturfotografen-fn.de 

Die hübschen "Wiesengaukler" sind taubengroß und leicht am metallisch schillernden, schwarzgrünen Rückengefieder und dem aufrichtbaren, spitzen Federschopf (Holle) zu erkennen. Der Kiebitz ist der häufigste Binnenlandbrüter unter den Watvögeln. Er passt sich den veränderten Lebensbedingungen an und sein Bestand hat sich dank der brut-ökologischen Umstellung in den letzten Jahren erholt.

 Kranich (C) Helmut Lammertz

Aufrechtstehend erreicht der "Vogel des Glücks" eine Größe von ca. 1,20 m, damit ist er deutlich größer als der Graureiher und der Weißstorch. Mit einer Flügelspanne von 2,20 m erreicht er die Größe eines Adlers. Im Flug ist der lange, gerade vorgestreckte Hals zu erkennen. Die Beine überragen beim Fliegen den Schwanz weit. Die schwarz-weiße Kopf- und Halszeichnung und die rote federlose Kopfplatte heben sich deutlich vom grauen Gefieder ab. Die Kopfplatte schwillt bei Erregung leuchtend rot an. Seit einigen Jahres rasten Kraniche auf ihrem Herbstzug im Naturschutzgebiet. Seit 2007 hält sich ein Pärchen auch in den Sommermonaten hier auf.

Sensation im Hochmoor - einmalig in NRW!!!

2008 brütete ein Kranichpaar erstmals erfolgreich seit dem Mittelalter wieder hier. Ein toller Erfolg für das  Große Torfmoor und NRW. Von zwei Jungtiere, die geschlüpft waren, überlebte leider nur eines die ersten Wochen im Naturschutzgebiet.

 (C) M. Mödeker                                   Kranichpaar am 3. Oktober 2010 im Hiller Geestmoor

Zu den Opfern der Zerstörung des sensiblen Ökosystems Hochmoor zählen der Wiedehopf, das Birkhuhn und die Sumpfohreule. Im Großen Torfmoor gelten sie seit Anfang der siebziger Jahre als ausgestorben.

 Wiedehopf (C) Helmut Lammertz

Sumpfohreule    Birkhuhn

Auf den zahlreichen Wasserflächen ist immer was los. Mit dem Fernglas können Sie viele Vögel entdecken: Gänse und Kormorane, Krick-, Knäk-, Moor- und Stockenten sowie Blässralle, Teichhühner und Zwergtaucher.

 Graugänse (C) Marc Goedecke http://marc-goedecke.de/ 

    Kormoran (C) F. Möller/NABU-Pressefoto   

Vogel des Jahres 2010 ist auch ein besonderer Gast bei uns. Der Fischtaucher hält sich auch vereinzelt im Großen Torfmoor auf. Jedoch nicht zur Nahrungssuche, denn im Moorwasser können keine Fische leben - sondern zum Trocknen seines Gefieders. Seine Nahrung holt er sich aus dem Mittellandkanal, Teichen aus der Umgebung und der Weser. Von den Anglern und Fischern wird der Kormoran als "Unterwasserterrorist" bezeichnet. Obwohl er seit Jahren geschützt ist, fordern die Gegner vor Ort, den Ruderfüßler zum Abschuss auch in Naturschutzgebieten freigeben. Einen entsprechenden Antrag hat das Umweltamt vom Kreis Minden-Lübbecke im Oktober 2008 abgelehnt, dagegen wurde jedoch Klage erhoben. Ein Gerichtsurteil steht zur Zeit noch aus.