Torf stechen, wenn der Kuckuck ruft
Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt .... und im Mai der Bauer die Moorholzschuhe anzieht ....

Wenn die Kartoffeln gepflanzt, die Runkelsamen ausgelegt waren und der Mai ins Land kam, dann begann in den Dörfern rund um das Moor die Zeit des „Meoersgaohns“ zum Torfstechen. Wer als erster da war, „die schlaut dat Meoer up“ (der schloss das Moor auf). Das Arbeitsgeschirr und die weiße Strohmatte (Schur) wurden meist vorher in Moor gebracht, damit es gleich am ersten Tage schon parat war. Bei Beginn der Heuernte Mitte Juni musste der Torf raus sein.
im Hiller Moor in den 1930er Jahren *1
Um Torf stechen zu können, musste zuerst das Wasser abgeleitet werden. Aus der entwässerten Kuhle wurden mit dem Torfmesser 30x10x10 cm große Torfstücke geschnitten. Jeweils 6 Torfstücke wurden zur ersten Trocknung zu einem „Pottsteohl“ (Topfstuhl) abgelegt, dass Sonne und Wind von allen Seiten die nassen Torfstücke erreichen konnte. Da immer nur die oberen Torfstücke der Einwirkung von Sonne und Wind ausgesetzt waren und die unteren Stücke nur schlecht trockneten, nahm man nach einigen Wochen einen Umbau vor. Die Torfstücke von 4 Pottstoehlen wurden zu einen pyramidenförmigen Gebilde - dem „Ring“ – aufgestapelt.

Die Abfuhr erfolgte in wettermäßig normalen Jahren möglichst vor der Getreideernte („An‘n Torf briukt man denn nich mähr teo denken“, aber: „Hei mott en Schmierte hemmen kürnen“ – er muss das Schmeißen haben können). Dann glich die Brennqualität des älteren schwarzen Torfs ( „Schwatter“) etwa der von Braunkohle/Brikett.

Moorlandschaft um 1950 - Torfsoden in Ringe und Haufen ausgestapelt

So wurde hier im s. g. bäuerlichen Handtorfstichverfahren Jahrhunderte lang (bereits vor 1700) bis Anfang der 60er Jahre – vereinzelt noch bis Mai 1971 - Torf als Brennmaterial gewonnen.

verschiedene Torfspaten und -messer
Heute darf die Brauchtumsgruppe "Niertelstier Torfsteker" in der Torfkuhle am Moorerlebnispfad nur einmal im Jahr - unter strengen Naturschutzauflagen mit behördlicher Sondergenehmigung - zu Demonstationszwecken die alte Arbeitsweise zeigen und etwas Torf stechen. Anfang Mai erhielten SchülerInnen der Grundschulen aus Lübbecke-Nettelstedt und Gehlenbeck Einblick in die körperlich schwere Arbeit des Torfstechens.
Diese Männer mussten nach dem Krieg als Kinder/Jugendliche beim Torfstechen helfen, damit im Winter ein Zimmer geheizt werden konnte. Ihre "leidvollen" Erinnerungen möchten sie vermitteln. Friedrich Lübbert (links) - Sprecher der Nettelstedter Torfstecher: "uns geht es darum, den Kinder zu zeigen, dass Torfstechen früher eine schwere körperliche Arbeit war."
Hinterherschneiden
Torfsode stechen
heute Spaß - früher harte Arbeit
Torfsoden aufnehmen
Schubkarrentransport
zur Trocknung zu Pottstühlen aufschichten
Kolja Selker
hielt alles für die Lokalzeit OWL aktuell in Bild und Ton fest. Unter dem Titel "Rein in die Torfpantoffeln" wurde am 9. Mai 2008 im WDR-Fernsehen über Torfstich und Kinderfreude in der Matschkuhle berichtet
interessierte SchülerInnen an und in der Torfkuhle am Neuen Damm/Großes Torfmoor
Torfstücke wurden teilweise mit Trage („Torfbeben") vom Platz zum Strang gebracht und auf einen Haufen abgelegt.
In Brammeyer´s Scheune in Espelkamp-Frotheim wird eine Torftrage aufbewahrt.



Der Torf wurde getrocknet als Heizmaterial für den Kanonen-/Donnerofen, für den Backofen oder
"unnern grauden Pott" oder zum Anfeuern/Heizen der Volksschule verwendet. Es hielt lange die Glut,
gab wenig Asche und war billiger als Holz.
Hausbrand/Winterbrand im Müllerhaus Eilhausen/Lübbecke
Bilderquellen:
*1 Bildersammlung Wiehe in: 900 Jahre Warmsen, eine Gemeinde in Wort und Bild, Schriftenreihe der Samtgemeinde Uchte Band 5 1996