Natur erleben im europäischen Schutzgebiet "Großes Torfmoor"

Der "Knabe im Moor"

bin ich, Rainer Eschedor - mittlerweile kein Knabe mehr sondern ein Uhu (unter Hundert). Seit über zehn Jahren lebe ich in der Nähe vom Großen Torfmoor und ging wie viele aus der Gegend ab und zu sonntags im Moor spazieren. Als Moorführer aus Leidenschaft und nicht von Beruf bin ich seit 2005 regelmäßig im Hochmoor anzutreffen. Morgens früh oder abends spät beobachte ich gerne die Tiere und Vögel - dabei genieße ich die besonderen Stimmungen der kostbaren Landschaftsform. Sommertags faszinieren mich Libellen und Schmetterlinge. Wollgras im Frühling, Sonnentau und Lungenenzian im Sommer sowie Moosbeere im Herbst machen für mich das Naturerlebnis perfekt. 

                                                      moortalk mit kleiner Besuchergruppe am 10. Juni 2007   

 mit Hobbyfilmer am 9. Mai 2009

Wie die Jungfrau zum Kind, ne zum "moortalk"!

Während meines Erziehungsurlaubes 2004 las ich bei einem Behördengang, dass die Gemeinde Hille Nachwuchs als Moorführer im heimischen Naturschutzgebiet suchte. Da ich zeitgleich eine geführte Radtour durch unsere ländliche Gemeinde für eine Reisegruppe plante, informierte ich mich auch über die Besonderheiten unseres "Hiller Moores". Mein Interesse wurde geweckt. Seitdem lese ich fast alles rund ums Thema "Moor", stöbere in Archiven, recherchiere im Internet, besuche Moore in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und in den Niederlanden, um meine Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen. In meinen naturkundlichen Führungen versuche ich Jung und Alt mit vielen Informationen, etwas Witz und netten Geschichten zu unterhalten. Mehr als nur Moor, eben moortalk!

 

im Gespräch mit Susanne Belting, Projektmanagerin des LIFE-Natur Projektes "Regeneration des Großen Torfmoores" und mit dem Biologen Dr. Christoph Aschemeier (Experte für Limnologie/Gewässerkunde vom Wassernetz NRW) während der internationalen Life-Tagung am 29. September 2006

Mitglied der Landschaftswacht

Am 7. März 2008 wurde ich von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Minden-Lübbecke zum (ehrenamtlichen) Beauftragten für den Außendienst bestellt. Als Landschaftswächter möchte ich im partnerschaftlichem Dialog die Besucher zu einem natur- und landschaftsgerechtem Verhalten motivieren. Für Hinweise aus der Bevölkerung über Missstände und Verstöße werde ich genauso wie für Verbesserungsvorschlägen immer ein offenes Ohr und Auge haben. Mein Dienstbezirk ist das gesamte Naturschutzgebiet "Großes Torfmoor". 

 Dienstabzeichen

Ziel der Arbeit der Landschaftswacht in NRW ist nicht die bloße Meldung von Verursachern, sondern die Sensibilisierung der Bevölkerung, um Schäden von der Natur abzuwenden. Da die Natur die Grundlage allen Lebens ist, kommt ihrem Schutz eine besondere Bedeutung zu.

Ausserdem habe ich mich als Mitglied dem Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) angeschlossen, insbesondere weil die NABU Kreisgruppe Minden-Lübbecke die Landschaftsbehörden seit 1970 bei ihren Schutz-bemühungen im NSG "Großes Torfmoor" begleitet und tatkräfig unterstützt hat und dieses auch weiterhin tut.

                                         Morgennebel und erste Sonnenstrahlen über dem Torfmoor am  27. April 2008

Literatur 

Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff schrieb im Winter 1841/42 die Ballade: 

Der Knabe im Moor

Oh schaurig ists übers Moor zu gehn, Wenn es wimmelt vom Heiderauche, Sich wie Phantome die Dünste drehn Und die Ranke häkelt am Strauche, Unter jedem Tritte ein Quellchen springt, Wenn aus der Spalte es zischt und singt, O schaurig ists übers Moor zu gehn, Wenn das Röhricht knistert im Hauche!

Fest hält die Fibel das zitternde Kind Und rennt, als ob mann es jage; Hohl über die Fläche sauset der Wind - Was raschelt drüben am Hage? Das ist der gespenstische Gräberknecht, Der dem Meister die besten Torfe verzecht; Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind! Hinducket das Knäblein zage.

Vom Ufer starret Gestumpf hervor, Unheimlich nicket die Föhre, Der Knabe rennt, gespannt das Ohr, Durch Riesenhalme wie Speere; Und wie es rieselt und knittert darin! Das ist die unselige Spinnerin, Das ist die gebannte Spinnlenor´, Die den Haspel dreht im Geröhre!

Voran, voran! nur immer im Lauf, Voran, als woll es ihn holen! Vor seinem Fuße brodelt es auf, Es pfeift ihm unter den Sohlen Wie eine gespenstische Melodei; Das ist der Geigemann ungetreu, Das ist der diebische Fiedler Kanuf, Der den Hochzeitheller gestohlen!

Da birst das Moor, ein Seufzer geht Hervor aus der klaffenden Höhle; Weh, weh, da ruft die verdammte Margret: "Ho, ho, meine arme Seele!" Der Knabe springt wie ein wundes Reh; Wär nicht Schutzengel in seiner Näh, Seine bleichenden Knöchelchen fände spät Ein Gräber im Moorgeschwele.

Da mählich gründet der Boden sich, Und drüben, neben der Weide, Die Lampe flimmert so heimatlich, Der Knabe steht an der Scheide. Tief atmet er auf, zum Moor zurück Noch immer wirft er den scheuen Blick: Ja, im Geröhre wars fürchterlich, O schaurig wars in der Heide 
 

Zitat von A. Griesebach - 1859

"Es war eine endlose Weite, in der kein Gegenstand sich über Kniehöhe erhob und die Horizontlinie weithin durch das Moor selbstgezirkelt wurde. 

Sammetgrüne, olivfarbene, rostbraune und blutrote Moospolster bildeten das farbenprächtige Muster des weichen schwellenden Teppichs, über den der Fuß auf die Dauer nur mühsam zu schreiten vermochte und mit jedem Schritt Wasser aus dem saugenden Riesenschwamm herauspresste.

Es war eine Landschaft, in der Erhabenheit und Schönheit mit dem Grauen einer trostlosen Öde dicht nebeneinander wohnten." 

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