Torfstich

Torf stechen, wenn der Kuckuck ruft

Wenn die Kartoffeln gepflanzt, die Runkelsamen ausgelegt waren und der Mai ins Land kam, dann begann in den Dörfern rund um das Moor die Zeit des „Meoersgaohns“ zum Torfstechen. Wer als erster da war, „die schlaut dat Meoer up“ (der schloss das Moor auf). Das Arbeitsgeschirr und die weiße Strohmatte (Schur) wurden meist vorher in Moor gebracht, damit es gleich am ersten Tage schon parat war. Bei Beginn der Heuernte Mitte Juni musste der Torf raus sein.

im Hiller Moor in den 1930er Jahren
im Hiller Moor in den 1930er Jahren

Um Torf stechen zu können, musste zuerst das Wasser abgeleitet werden. Aus der entwässerten Kuhle wurden mit dem Torfmesser 30x10x10 cm große Torfstücke geschnitten. Jeweils 6 Torfstücke wurden zur ersten Trocknung zu einem „Pottsteohl“ (Topfstuhl) abgelegt, dass Sonne und Wind von allen Seiten die nassen Torfstücke erreichen konnte. Da immer nur die oberen Torfstücke der Einwirkung von Sonne und Wind ausgesetzt waren und die unteren Stücke nur schlecht trockneten, nahm man nach einigen Wochen einen Umbau vor. Die Torfstücke von 4 Pottstoehlen wurden zu einen pyramidenförmigen Gebilde - dem „Ring“ – aufgestapelt.

Moorlandschaft um 1950 - Torfsoden in Ringe und Haufen ausgestapelt
Moorlandschaft um 1950 - Torfsoden in Ringe und Haufen ausgestapelt

Brenntorf abfahren, bevor die Ernte begann

Die Abfuhr erfolgte in wettermäßig normalen Jahren möglichst vor der Getreideernte. „An‘n Torf briukt man denn nich mähr teo denken“ - an Torf braucht man dann nicht mehr zu denken, aber: „Hei mott en Schmierte hemmen kürnen“ – er muss das Schmeißen haben können. Dann glich die Brennqualität des älteren schwarzen Torfs („Schwatter“) etwa der von Braunkohle/Brikett.

Abfuhr 1958  - mit Pferdegespann und Flachtenwagen
Abfuhr 1958 - mit Pferdegespann und Flachtenwagen

So wurde hier im bäuerlichen Handtorfstichverfahren jahrhundertelang (bereits vor 1700) bis Anfang der 60er Jahre – vereinzelt noch bis Mai 1971 - Torf als Brennmaterial gewonnen.